[Rezension] Steinroller - Martin Lassberg




Autor: Martin Lassberg
Titel: Steinroller
Originaltitel: Steinroller
Seitenanzahl: 240
Erscheinungsdatum: 2. Mai 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Piper
Buch oder Netflix? Buch!





Ein ziemlich platt gedrückter Mensch liegt im Gras. Zertreten von einem Mammut? Sieht nicht so aus. Ermordet? Schon eher. Der erste Fall für den jungen Kommissar Steinroller hat es in sich. Zum Glück hat ihn irgendein Darwinistischer Zufall mit ziemlich viel Grips ausgestattet. In einer Welt, in der Konflikte immer noch mit der Keule ausgetragen werden, eher ein Problem. Aber nützlich, wenn man eine Frau liebt, die Intelligenz erotisch findet. Und wenn man herausfinden will, wer den eigenen Stamm bedroht. Auf der Jagd nach dem Täter macht Kommissar Steinroller seinem Namen alle Ehre und vollbringt nebenbei eine historische Tat: die Aufklärung des ersten Mordfalls der Menschheitsgeschichte.

Dieses Buch ist einfach von vorne bis hinten nur großartig! Angefangen beim Cover, über die Charaktere, den Humor, bis hin zur spannenden Geschichte. 

Protagonist dieser Geschichte ist Kamu, der aber von allen nur Steinroller genannt wird, weil er so gut wie kein anderer Steine rollen kann. Er ist ein Künstler unter den Steinzeitmenschen, denn anstatt zu jagen, verbringt er seine Zeit lieber damit, Höhlenwände anzumalen. Von Einigen dafür verschmäht, ist er mit seinem Leben glücklich, bis er eines Tages eine Leiche findet. Das wäre nun nichts weiter aufregendes, doch ist die Leiche platt wie eine Flunder, zudem handelt es sich auch noch um Taamu, einen Vetter von Steinroller. Diesem wird schnell klar, dass hier ein Mord stattgefunden haben muss. Auch dieses ist erstmal nichts besonderes bei den Steinzeitmenschen, doch ein im Geheimen verübter Mord ist hochgradig verachtenswert!
So wird Steinroller dann kurzerhand durch seinen Vater Felsschmetterer, den Anführer der Sippe, zum Kommissar ernannt, bekommt Otterfang als Assistenten zugeteilt und weil es sich doch mit einer Frau besser lebt, bekommt er auch noch eine gratis dazu, nämlich Weichhaar und los geht es mit CSI in der Steinzeit.

Die Charaktere sind einfach nur wunderbar. Alle ein bisschen schrullig und skurril und ausgestattet mit Eigenschaften und Marotten, die von unserer jetzigen Zeit übertragen wurde.
Weichhaar zum Beispiel, die Frau von Steinroller hat ein Fable für Handtaschen, hat eine Pinzette aus Knochen gebaut, um sich damit die Augenbrauen zu zupfen und kommt überhaupt mit Allerlei Erfindungen daher. Taschenmesser und Gesellschaftsspiele braucht frau ja auch. Weiterhin geht sie gerne auf Märkte und kauft und ertauscht da, was ihr unter die Finger kommt. Sicherlich werden hier (und auch durchgängig im ganzen Buch) so einige Klischees bedient, doch ist dieses so überzeugend und sympatisch gemacht, dass es einfach nur lustig ist. Weichhaar und Steinroller passen ganz wunderbar zusammen, da sie beide ein bisschen die Underdogs der Steinzeitmenschen sind. Steinroller malt ja lieber, als auf Jagd zu gehen und Weichhaar ist sehr auf ihre körperliche Hygiene und ihr Aussehen bedacht, was bei den anderen Steinzeitfrauen jetzt nicht unbedingt auf großes Verständnis stößt.
Otterfang, Steinrollers Assistent, ist eher von der einfachen Sorte und ein bisschen langsamer in den oberen Regionen. doch steht er Steinroller zu jeder Zeit zur Seite und gibt der Ermittlung sogar an der einen oder anderen Stelle einen entscheidenden Dreh.
Doch nicht nur das Ermittlertrio ist wunderbar gezeichnet, sondern auch die Nebencharaktere. Sei es nun Pilu, der Modedesigner, Felsenschmetterer, der Macho, wie er im Buche steht, Bluemenblatt die Vegetarierin oder die Schwiegerkröte. Alle sind liebenswert und herrlich lustig.

Die Morduntersuchung ist großartig beschrieben und ausgedacht. Natürlich braucht man da erstmal Proben, die von Otterfang oral untersucht werden. Er hat halt sehr ausgeprägte Geschmacksnerven. Und so entwickelt sich dann bald eine Geschichte, die tief in die Sippe von Steinroller hineinreicht, so dass er bald niemandem mehr so wirklich trauen kann. Sicherlich steht hier in erster Linie der Humor im Vordergrund, doch trotz dieses Humors und der durchaus vorhandenen Absurditäten ist das Buch sehr spannend! Erst am Schluss wird wirklich klar, wer wieso und warum da mit drin hängt.

Die Parallelen zur heutigen Zeit haben mir besonders gut gefallen, so dass es gar nicht anders möglich war, als laut loszulachen. Die Dialoge sind ein Traum und spiegeln auch wunderbar die geistige Entwicklung der einzelnen Charaktere wieder.


Eine tolle Geschichte, die mal in einer ganz anderen Zeit spielt. Unbedingt lesenswert!
Ich hoffe, dass das nicht Kommissar Steinrollers letzter Mordfall war! 






Vielen Dank an den Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

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