[Rezension] Sternschnuppenschauer - Ann-Kathrin Wolf




Autorin: Ann-Kathrin Wolf
Titel: Sternschnuppenschauer
Originaltitel: Sternschnuppenschauer
Seitenanzahl: 346
Erscheinungsdatum: 2. Juni 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Impress/Carlsen
Buch oder Netflix? Buch!





**Im Sommer strahlen die Sterne am hellsten**

Cassie liebt die Sterne. Aber vor allem liebt sie es mit ihrem Vater in Sternschnuppennächten auf Wunschfang zu gehen. Bis er bei einem Autounfall ums Leben kommt und ihre Welt zusammenbricht. Dass sie daraufhin den Sommer ausgerechnet am Meer bei den Atkins verbringen soll, macht alles nur noch schlimmer. Denn dieser Ort hält zahlreiche schmerzhafte Erinnerungen für sie bereit. Sogar Logan, der süße Sohn der Atkins, ist keine große Hilfe. Mal ist er nett und einfühlsam, dann benimmt er sich wie der letzte Mistkerl. Kann er die Sterne für Cassie wieder erstrahlen lassen?

Meine Güte, was für ein Buch! Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, habe ich, insbesondere in Verbindung mit dem dann doch eher fröhlich anmutenden Cover, eine eher leichte und weniger tiefgründige Geschichte erwartet. Wie falsch ich da doch lag...

Sternschnuppenschauer ist ein Buch voller Gefühle. Trauer, Freude, Enttäuschung, Wut, Fröhlichkeit... Ein Gefühlsorkan tobt durch dieses Buch, der seinesgleichen sucht. Es fängt schon mit dem Prolog an. Wie in Watte gepackt fühlt man sich auf den ersten Seiten, in denen Cassie von ihrem Vater und ihrer gemeinsamen Zeit erzählt. Sofort ist die Liebe, die Cassie für ihren Vater empfindet fast spürbar. Und dann, mit den letzten Sätzen des Prologs schlägt die Stimmung schlagartig. Selbst beim Lesen fühlt es sich an, wie eine Faust, die mit voller Wucht und ohne Vorwarnung in den Magen gerammt wird und ich hatte bereits dort das erste Mal mit den Tränen zu kämpfen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Prolog gelesen zu haben und dort bereits gefühlstechnisch so involviert gewesen zu sein, dass die Gefühle der Protagonistin auch automatisch gleich meine waren. Eine Meisterleistung.

Doch auch nach dem Prolog geht es genauso überzeugend weiter. Cassiopeia, oder kurz Cassie, wie sie genannt werden möchte, muss den Sommer nach dem Tod ihres Vaters bei der Familie von Jane, der besten Freundin ihrer Mutter, verbringen. Vor Jahren verbrachten die Familien viel Zeit miteinander, so dass die Freundschaft zwischen Summer, Janes Tochter, und Cassie schnell wieder auflebt. Summer ist ein liebenswerter Nebencharakter, mit witzigen Spleens. So besteht zum Beispiel der Großteil ihrer Garderobe aus lila Sachen, ihr Zimmer ist lila, ihre Handyhülle auch... Sie hat eindeutig einen Lila-Fimmel und hat dazu auch notorisch nie was passendes zum Anziehen im Schrank. Diese kleinen Macken machen Summer zu einem authentischen Charakter, den man einfach nur sofort ins Herz schließen muss. Doch auch Cassie hat ihre Eigenarten, die sie gleich viel greifbarer und sympathischer machen. So trägt sie zum Beispiel mit Vorliebe T-Shirts mit Sprüchen von Einstein darauf und wenn sie im Buch etwas ißt, dann Erdbeeren. Oder Erdbeerkuchen. Oder noch mehr Erdbeeren.

Cassie und Summer verstehen sich wunderbar und diese alte, tiefe Freundschaft wird einfach nur überzeugend beschrieben. Toll finde ich hier vor allem die Sommerchallenge, an der die Beiden teilnehmen. Dabei werden 10 verschiedenen Aufgaben gestellt, die dazu beitragen sollen, dass dieser Sommer der Sommer ihres Lebens wird. Wie zum Beispiel, den perfekten Sommerlook zu kreieren. Dieses Aufgaben sind sehr geschickt in Form von Blogposts ins Buch eingebaut, die auch regelmäßig aktualisiert werden, und fügen sich wunderbar in die Geschichte ein. Vor allem aber hat die Autorin damit ein überzeugendes und unterhaltsames Mittel gefunden, damit Cassie sich langsam von ihrer Trauer löst, offener wird und sich auch erlaubt, mal wieder richtig Spaß zu haben. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die an sich schon vorhandene Peinlichkeit von Karaoke noch gesteigert werden kann?!

Logan, der Sohn von Jane und Bruder von Summer, kommt eher als arroganter Blödmann daher, der darauf aus ist, Cassie immer dann noch einen blöden Spruch reinzudrücken, wenn sie ihn am wenigsten gebrauchen kann. Meine Güte, wie gerne hätte ich ihm am Anfang des Buches mal ordentlich durchgeschüttelt. Mit der Zeit lernt man ihn dann allerdings besser kennen und merkt, dass er auch ein Päckchen zu tragen hat, von dem aber erst noch nicht klar wird, was genau sein Problem ist. Mit der Zeit merkt man dann auch, dass die Beiden sich annähern. Logan zeigt, dass er auch eine andere Seite haben kann und die ist mehr als liebenswert, wie auch Cassie bald feststellen muss, obwohl sie das doch gar nicht will. Schon bald hatte ich Logan auch in mein Herz geschlossen. Mehr möchte ich hier über die Beziehung zwischen Logan und Cassie aber auch gar nicht verraten, denn die Geschichte der Beiden ist so schön, da möchte ich nicht spoilern.

Sehr gut hat mir gefallen, dass die Beziehung zwischen den Beiden nicht das Hauptthema des Buches ist. Sicherlich macht die Liebesgeschichte einen guten Teil aus, aber das Buch kann bei Weitem nicht darauf reduziert werden. Viel mehr geht es nämlich darum, wie Cassie mit der Trauer umgeht. Ann-Kathrin Wolf hat dieses extrem überzeugend beschrieben. Cassie versinkt nicht in Trauer. Sie schließt sich nicht in ihr Zimmer ein und weint tagelang. Nein. Die Trauer kommt unerwartet. Schleicht sich von hinten an und ist plötzlich da. Da sieht sie einen Leuchtturm und muss an ihren Vater denken, was ihr den Boden unter den Füßen wegzieht oder sie denkt an ihren nahenden Geburtstags, der der erste ohne ihren Vater sein wird und sie fühlt sich, als ob etwas in ihr zerreißt. Und gerade diese realistische Darstellung macht dieses Buch zu etwas Besonderem, denn als Leser ist man mittendrin, fühlt mit Cassie mit und kann sie und ihre Gefühle verstehen. Ihre Trauer kommt in bestimmten Momenten genauso plötzlich und unerwartet für sie, wie auch für den Leser.

Auch stilistisch konnte mich das Buch voll überzeugen. Der Schreibstil ist modern und flüssig, so dass es wirklich eine Freude ist, dieses Buch zu lesen. Die Dialoge sind lebendig und wie aus dem Leben gegriffen.

Wer ein einfühlsames Buch über den Umgang mit Trauer lesen möchte, dabei auch gerne noch eine wunderschöne Liebesgeschichte hat, sowie viele besondere Haupt- und Nebencharaktere, der kann bei diesem kleinen Juwel überhaupt nichts falsch machen. 






Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

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