[Rezension] Wenn der Sommer endet - Moira Fowley-Doyle




Autorin: Moira Fowley-Doyle
Titel: Wenn der Sommer endet
Originaltitel: The Accident Season
Seitenanzahl: 320
Erscheinungsdatum: 27. Juni 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: cbt
Buch oder Netflix? Buch!





So lasst uns die Gläser erheben auf die dunkle Zeit … Die dunkle Zeit, wie die 17-jährige Cara, ihre Schwester Alice und ihre restliche Familie es nennen, scheint wie ein Fluch, der sie einmal im Jahr für ein paar Wochen heimsucht. In diesem Zeitraum passieren Unfälle, geliebte Menschen sind schon gestorben. Und dieses Jahr soll es eine der schlimmsten dunklen Zeiten werden, prophezeit Caras Freundin Bea. Mysteriöse Dinge geschehen und bald weiß Cara nicht mehr, was Traum und was Realität, was Magie und was echt ist. Die Grenzen verschwimmen, und als lange vergessene tragische Ereignisse ans Licht kommen, könnte es für Cara, ihre große Liebe Sam und ihre Schwester Alice schon zu spät sein …

Ich bin verliebt. Unwiderruflich und definitiv. Ich liebe das Cover, ich liebe die Geschichte, ich liebe die Charaktere und ich liebe die Sprache. Besonders die Sprache. Dieses Buch ist wie Blätterrascheln im Herbst, wie das erste Erdbeereis des Jahres und wie der Geruch von Regen. Dieses Buch ist etwas Besonderes.

Die Protagonistin und Ich-Erzählerin des Buches heißt Cara und lebt mit ihrer Mutter (einer Künstlerin mit lila Haaren), ihrer Schwester Alice und ihrem Ex-Stiefbruder Sam zusammen. Zu Anfang des Buches befindet man sich gleich in der "Dunklen Zeit", die jedes Jahr im Oktober stattfindet und geprägt ist von Unfällen, Verletzungen, gebrochenen Knochen und in schlimmen Jahren auch von Todesfällen. Dieses betrifft nur Caras Familie, ihre beste Freundin Bea wird davon verschont. Diese legt allerdings die Tarotkarten und sagt für dieses Jahr eine besonders schlimme "Dunkle Zeit" voraus. Und natürlich kommt das dann auch so. Caras Mutter versucht zwar durch Vorsichtsmaßnahmen, wie doppelte und dreifache Schichten Kleidung oder mit Luftpolsterfolie eingewickelten Tischen dem Schlimmsten vorzubeugen, doch sind die Unfälle nicht aufzuhalten und ereilen Cara und ihre Familie erbarmungslos.

Sehr mysteriös kommt dieses Buch daher und gleich zu Anfang häufen sich schon die seltsamen Vorkommnisse. Da taucht zum Beispiel auf jedem Foto, auf dem Cara zu sehen ist, ein Mädchen namens Elsie mit auf. Elsie ist eine ehemalige Freundin von Cara und niemand kann sich erklären, wie sie auf all diese Fotos kommt und welche Rolle sie in all dem spielt. Doch das ist nicht das einzige Wunderliche. So erleben Cara und ihre Freunde immer mehr seltsame Dinge. Warum sind ganze Gebäude plötzlich wie vom Erdboden verschluckt? Was macht eine Mausefalle im Wald? Doch auch die Dunkle Zeit als solche ist ein Mysterium. Wieso ist Caras Familie davon betroffen? Was löst diese Unglücke aus? Und was haben rote Knöpfe damit zu tun?
Großartig hat es die Autorin hier geschafft, Spannung aufzubauen, Gänsehautmomente zu schaffen und auch die Leser auf die eine oder andere falsche Fährte zu führen. Besonders zum Ende hin ist wirklich nicht mehr klar, was Traum, was Realität, was Vision, was Magie und was Alptraum ist. Alles vermischt sich und wird erst im dramatischen und wunderschönen Finale enthüllt. Macht Euch dort auf die eine oder andere Überraschung gefasst! Mehr möchte ich hier zum Inhalt auch gar nicht sagen, da man dieses Buch einfach selbst erleben muss.

Alle Charaktere sind so wunderbar ausgearbeitet, dass man sich bei jedem von ihnen vorstellen kann, dass man sie persönlich kennt. Alle haben allerdings auch ihre kleinen Geheimnisse, hinter die man erst nach und nach kommt.
Cara ist eine wunderbare Protagonistin, die durch eine tiefe Freundschaft mit ihrer besten Freundin Bea verbunden ist. Beide kennen sich schon sehr lange und haben bisher schon viele Schicksalsschläge gemeistert.  Cara habe ich sofort in mein Herz geschlossen und konnte durchweg mit ihr mitfühlen. Auch bei Bea ging es mir so. Beide zusammen sind ein tolles Team und ihre Beziehung ist authentisch und nachvollziehbar beschrieben.
Alice, Caras Schwester, war Anfangs etwas suspekt und schwer durchschaubar. Ihrer Meinung nach gibt es keine Dunkle Zeit und auch Bea und ihren Tarotkarten steht sie skeptisch gegenüber. Überhaupt macht sie einen eher oberflächlichen Eindruck und gibt sich dementsprechend mit den Schönen und Beliebten ihres Jahrgangs ab. Man merkt aber früh im Buch, dass da noch mehr ist, dass sie eigentlich nicht ist, wie sie vorgibt zu sein.
Sam, Caras Ex-Stiefbruder (Sein Vater war mit Caras Mutter zusammen und verließ die Familie dann) ist ein durch und durch liebenswerter Charakter. Dieses merke nicht nur ich als Leserin, auch Cara ergeht es so. Nach und nach nähern sich die Beiden an und ich hatte mehr als einmal Schmetterlinge im Bauch, weil es so wunderschön und einfühlsam beschrieben war.

Und damit komme ich dann auch zu dem absoluten Highlight dieses Buches. Zum Schreibstil und der Sprache. Jede Seite ist hier pure Poesie. Ich hätte problemlos von jeder einzelnen Seite ein Zitat anführen können, beschränke mich nun aber auf diese 4, damit ich überhaupt einen kleinen Einblick in die wunderschöne Sprache dieses Buches geben kann. Beschreiben kann ich das gar nicht, das muss man selbst lesen.

"Als hätte dieses seltsam warme Oktoberwetter endlich genug davon, so zu tun, als wäre noch Sommer und würde nun darauf warten, dass der Regen und Wind des Herbstes beginnt, damit es sich wieder echt fühlt."
Seite 24

"Der Keil der Frustration ist wie ein Stück Brot, das beim Schlucken nicht richtig runtergerutscht ist."
Seite 83

"Das Haus schwelgt dahin. Die Wände pochen wie Herzen, die Bodendielen ächzen, die Treppe stöhnt und oben flüstern die Schlafzimmer süße Nichtigkeiten."
Seite 233

"Regen fällt auf die Tasten, als wollte er seinen eigenen Geheimnisse tippen. Ich würde sie ja laut vorlesen, aber ich spreche die Sprache des Regens nicht."
Seite 269


Die Hälfte der Sätze dieses Buches würde ich gerne einrahmen und mein Wohnzimmer damit tapezieren. Einfach nur wunderschön, poetisch und tiefgründig. Und dieses zieht sich wirklich durch die ganze Geschichte. Ich habe sehr sehr selten ein Buch gelesen, das mich von Schreibstil und der Sprache so mitreißen, überzeugen und zu Tränen rühren konnte. Moira Fowley-Doyle kann mit einem einzigen Satz mehr Emotionen vermitteln als andere Autoren mit einem ganzen Roman. Und gerade das macht dieses Buch zu einem Juwel. Zu etwas ganz Besonderem, dass mich noch lange beschäftigen wird und das ich immer und immer wieder lesen werde. Dieses Buch ist für immer.


Wenn ich könnte, würde ich 1000 Chaoskleckse geben. Ich habe mein neues Lieblingsbuch gefunden.






Vielen Dank an den cbt-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

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