[Rezension] Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm - Jessie Ann Foley




Autorin: Jessie Ann Foley
Titel: Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm
Originaltitel / Übersetzerin: The Carnival at Bray / Susanne Klein
Seitenanzahl: 300
Erscheinungsdatum: 14. Juli 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: one
Buch oder Netflix? Buch!





Es ist das Jahr 1993. Bill Clinton wird Präsident der USA und Nirvana veröffentlichen ihr drittes Album »In Utero«. In diesem Jahr zieht Maggie mit ihrer Familie von Chicago nach Bray, einen verschlafenen Ort an der irischen Küste. Sie muss viel zurücklassen, besonders aber vermisst sie ihren chaotischen Onkel Kevin: nur zehn Jahre älter, seines Zeichens Rockmusiker und größter lebender Nirvana-Fan.
Aller Anfang ist schwer. Immerhin ist da Eoin, der Maggie mit seinem unergründlichen Lächeln ziemlich durcheinanderbringt. Doch während die beiden sich näherkommen, erreicht Maggie eine furchtbare Nachricht: Onkel Kevin ist gestorben! Alles, was Maggie von ihm bleibt: Zwei Tickets für ein Nirvana-Konzert in Rom. Und ein Brief, in dem er Maggie auffordert, sich unbedingt auf den Weg zu machen und dabei den Jungen mitzunehmen, den sie liebt. Und Maggie? Setzt sich über alle Verbote hinweg und wagt den Trip nach Rom. Zusammen mit Eoin ...

Ein wunderschönes Buch mit tollen Charakteren, bei dem vom Titel bis zum Anhang einfach alles stimmt!

Bevor ich etwas zum eigentlichen Buch schreibe, muss ich einfach auf den Titel und das Cover eingehen. Der deutsche Titel gefällt mir in diesem Fall viel besser als der Originaltitel, was einfach daran liegt, dass er wie die Faust auf's Auge passt. Eine sehr gute Wahl. Einfach großartig ist aber das Cover, das doch seht an das "Nevermind" erinnert. Beides spiegelt den Inhalt des Buches sehr gut wieder und trägt sehr viel zum Gesamteindruck dieses Buches bei.

Maggie, die 16-jährige Protagonistin zieht zusammen mit ihrer 11-jährigen Schwester Ronnie und ihrer Mutter Laura von Amerika nach Irland, da ihre Mutter einen Iren heiratet. Maggie hat es anfangs nicht leicht. So muss sie sich erst an alles Neue gewöhnen, denn ob man nun in Chicago lebt oder in einem kleinen Ort in Irland, macht schon einen Unterschied. An vieles gewöhnt sie sich und findet sogar eine Freundin, aber einen gibt es, den sie sehr vermisst und um den sich auch viele ihrer Erzählungen und Erinnerungen drehen: Onkel Kevin. Als jüngerer Bruder ihrer Mutter, Mitglied in einer Rockband und Drogenabhängiger ist er eindeutig das schwarze Schaf der Familie. Doch Maggie hat eine spezielle Bindung zu ihm, die im Buch sehr gut dargestellt wird. Die Beiden ergänzen sich und lieben sich abgöttisch. Kevin ist es, der Maggie zum Beispiel mit auf ein Smashing Pumpkins Konzert nimmt und sie auch an Nirvana heranführt. Riesig ist der Schock dann natürlich, als Maggie die Nachricht bekommt, dass Kevin gestorben ist. Vorher hat er ihr allerdings noch 2 Tickets für ein Nirvana Konzert geschickt und mit diesen Karten ändert sich auch Maggies Leben.
Auch wenn ich erst 10 war, als Kurt Cobain starb, hatte ich doch durchgängig das Gefühl, in Erinnerungen aus dieser Zeit zu schwelgen. Die Autorin hat es geschafft, diese Zeit wieder aufleben zu lassen und eine unterschwellig bedrückende Stimmung zu kreieren.

Maggie ist eine tolle Protagonistin, die Anfangs noch sehr in sich gekehrt war. Selten erlaubte sie sich wirklich Spaß zu haben oder aus sich heraus zukommen. Dieses passierte eigentlich nur, wenn sie mit Kevin zusammen war. Dann lebte sie, dann war sie sie selbst und dann hatte sie wirklich Spaß. Mit Kevins Tod und der Entscheidungen, dass sie zum Nirvana Konzert fahren will, ändert sich dieses allerdings. Man merkt, wie sie langsam aber sicher selbstbewusster wird und für sich selbst einsteht.
Ein wichtiger Teil ist dabei Eoin, den sie in ihrer neuen Heimat kennen lernt. Zwischen beiden ist sofort eine Chemie spürbar. Gefallen hat mir hier, dass die Liebesgeschichte sehr unromantisch und ohne großes Drama daherkommt. Abgesehen vom letzten Teil spielt sie auch eher eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger ist die Beziehung zwischen Maggie und Kevin und was dieser Road Trip nach Rom für Maggie und ihr Leben bedeutet. Für sie ist es letztendlich eher eine Art Selbstfindungstrip (im positivsten Sinne des Wortes!).

Besonders gut gefallen haben mir die Nebencharaktere, die alle mit ihren eigenen Macken und zu tragenden Päckchen daher kommen und diesem Buch erst das Leben einhauchen.

Mein absolutes Highlight allerdings, und das wahrscheinlich, weil es so unerwartet kam und mir sofort die Tränen in die Augen getrieben hat, ist der Anhang.
Im Buch bekommt Maggie von ihrem Onkel Leseempfehlungen von Büchern, die ihm gefallen haben und diese sind im Anhang zu finden und zwar genauso wie im Buch beschrieben. Außerdem finden man einen Link zu einer Playlist bei Spotify, wo man alle Lieder gebündelt findet, die im Buch erwähnt werden.
Ich finde das großartig! Gerade so etwas gibt einem Buch das besondere Etwas.

"Letzte Fahrt,! Letzte Fahrt", rief ein Mann, und die Spitze seiner Zigarette glühte in der heimeligen Geborgenheit der kleinen Karten-Bude.
Seite 14 (Laut E-Reader)
Nicht der kleinste Hauch des Todes umgab ihn, nichts Krankes, nur ein Anflug von Welkheit, wie bei einer Pflanze, die gewässert werden musste.
Seite 33 (Laut-E-Reader)
Der Mond, auch das erzählte er, hätte einen perfekten Kreis beschrieben, wie ein Klumpen Schlagsahne am schwarzen Himmel.
Seite 96 (Laut E-Reader)
Sie rauchten selbst gedrehte Zigaretten und redeten in einer Sprache, die wie Seifenblasen klang.
Seite 142 (Laut E-Reader)
Ein tolles Buch über die 90er, Selbstfindung, Nirvana und Liebe. Eindeutig empfehlenswert mit einem ganz besonderen Anhang! 5 Chaoskleckse!






Vielen Dank an den one-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

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