[Rezension] Pretty Baby - Mary Kubica




Autorin: Mary Kubica
Titel: Pretty Baby - Das unbekannte Mädchen
Originaltitel / Übersetzerin: Pretty Baby / Nele Junghanns
Seitenanzahl: 304
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: HarperCollins
Buch oder Netflix? Buch!





Schon immer hat Heidi Wood sich gern um andere gekümmert. Doch als sie eines Tages ein mysteriöses obdachloses Mädchen und dessen Baby mit nach Hause bringt, geht sie zu weit! Heidis Mann Chris hat Angst um seine Tochter – und um seine Frau. Denn sie beginnt sich zu verändern, scheint immer mehr in den Bann des unbekannten Mädchens zu geraten.
Chris beginnt zu recherchieren und stößt auf ein schreckliches Geheimnis. Aber um seine Frau und seine Tochter zu retten, scheint es schon zu spät zu sein …

Wenn auch als Psychothriller deklariert, ist dieses Buch weniger ein Thriller als mehr ein brillant geschriebenes Drama über menschliche Abgründe. 

Heidi kümmert sich um Menschen jeglicher Art, die Probleme haben. Seien es nun Obdachlose oder Kinder. Sie hat ein Auge für Menschen, die Hilfe brauchen und so fällt ihr Willow eines Tages auf. Diese steht an einem Bahnsteig mit einem Baby auf dem Arm und weckt in Heidi den Beschützerinstinkt. Nach einigen weiteren Begegnungen kommt es dann dazu, dass sie Willow mit nach Hause nimmt und somit etwas auslöst, mit dem wohl keiner rechnen konnte.

Heidi lebt mit ihrem Mann Chris und ihrer Tochter Zoe zusammen. Die 3 sind nicht wirklich die typische Vorzeigefamilie. Die 12-jährige Zoe ist eine rebellische Vorpubertäre, die an allem interessiert ist, außer daran, Zeit mit ihren Eltern zu verbringen oder überhaupt mit ihnen zu reden.
Chris ist ein Investmentbanker, der mehr Zeit auf Geschäftsreisen verbringt, als wirklich zu Hause zu sein. Dieses hilft natürlich auch der Ehe von Chris und Heidi nicht weiter und es kommt zwischendurch immer wieder zu Spannungen, die nur noch weiter durch Chris' attraktive Kollegin Cassidy angespornt werden, denn Heidi ist sehr eifersüchtig und gerade dann, wenn Cassidy mit auf Dienstreisen geht, extrem misstrauisch. Insgesamt herrscht also in dieser Familie eine eher eisige Stimmung und ich denke, dass Heidi gerade deswegen so in ihrer sozialen Ader aufgeht. Somit kann sie sich um andere kümmern, wenn schon ihre Familie sie nicht wirklich braucht.
Und da kommt dann auch schon Willow mit dem Baby ins Spiel. Wer ist sie? Wo kommt sie her? Was will sie? Diese Fragen stellt man sich eigentlich das ganze Buch über. Nach und nach erfährt man dann mehr und je mehr man erfährt, desto entsetzter ist man am Ende.
Mary Kubica hat es großartig hinbekommen, alle Charaktere einzigartig zu machen, sie wunderbar zu beschreiben und gleichzeitig noch eine groß Portion Spannung unterzubringen. Niemand ist, was er auf den ersten Blick zu sein scheint. Ich musste da gleich an das berühmte Zitat von Mark Twain denken: "Jeder Mensch ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt." Dieses passt hier wirklich wie die Faust aufs Auge. Erst ganz am Schluss entwirrt sich alles auf eine verstörend gute Art. Wie oben schon beschrieben ist das Buch für mich weniger ein Thriller (wenn auch extreme Spannung aufkommt) sondern wirklich mehr ein Drama. Und zwar ein überragend gutes!

Die Geschichte wird aus 3 Perspektiven erzählt. Heidi, Chris und Willow kommen zu Wort, wobei Heidi und Chris die Geschehnisse aus der Gegenwart erzählen, während Willow aus ihrer Vergangenheit erzählt. Man bekommt also einen guten Einblick in sämtliche Gedanken, Gefühle und Beweggründe. Dieses wurde von der Autorin geschickt gemacht, denn nur aus einer Erzählperspektive wäre dieses Buch nicht so spannend geworden.

Willow lebt sich langsam bei uns zu Hause ein, wie ein Fels, der mit der Zeit von der Witterung abgenutzt wird und in immer kleinere Stücke zerfällt. Kieselsteine.
Seite 167 (laut E-Reader)
Eine tolle Geschichte über menschliche Abgründe. Auf jeden Fall empfehlenswert und 5 Chaoskleckse wert!






Vielen Dank an den HarperCollins-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen