[Rezension] Hinter den Wolken - Daniela Blum




Autorin: Daniela Blum
Titel: Hinter den Wolken
Originaltitel: Hinter den Wolken
Seitenanzahl: 320
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Forever
Buch oder Netflix? Buch





Eigentlich wollte Sina ihrem verkorksten Leben ein Ende setzen. Doch nach ihrem Selbstmord findet sie sich nicht wie geplant im Paradies, sondern in der Schutzengelzentrale wieder. Dort erfährt sie, nur dann ins Paradies 'weitergehen' zu können, wenn sie vorher als Schutzengel tätig wird. Ihr Schützling wird Jan, ein junger Witwer, bei dem Sina so ihre liebe Müh und Not hat, ein unplanmäßiges Ausscheiden aus dem Leben zu verhindern. Als sie versehentlich sichtbar wird, bricht vollends Chaos aus: Nachdem auch der letzte Geisterbeschwörer und Priester erfolglos verschwunden sind, muss Jan Sinas Anwesenheit akzeptieren. Mehr noch, er fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen. Und Sina ist sich plötzlich gar nicht mehr sicher, ob sie wirklich endgültig abtreten will. Aber kann man sich in seinen Schutzengel verlieben? Und gibt es für Sina überhaupt einen Weg zurück ins Leben? 

Die Idee ist großartig, aber leider haben mich die Umsetzung und der Schreibstil nicht ganz überzeugen können.

Protagonistin des Buches ist Sina, die aufgrund einer Krebserkrankung keine Kinder bekommen kann und dann eines Tages von ihrem Mann verlassen wird, da er mit einer anderen Zwillinge erwartet. Starker Tobak ist das und so kann man gleich zu Beginn mit Sina mitleiden und versteht ihre Verzweiflung, die sie letztendlich in den Selbstmord treibt. Doch anstatt in den Himmel (oder die Hölle) zu kommen, landet sie in der Schutzengelzentrale, bekommt dort Jan als ihren Schützling zugeteilt und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. 
Die Schutzengelzentrale fand ich als Idee großartig und sie wurde auch wunderbar von der Autorin beschrieben. Dieser Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen, vor allem auch, weil jedem Kapitel ein Ausschnitt aus dem Schutzengelhandbuch voran gestellt war. Diese Ausschnitte hatten immer einen direkten Bezug zum kommenden oder vergangenen Kapitel und haben dem ganzen Schutzengelaspekt noch eine besondere Note gegeben (besonders weil schnell klar wurde, gegen wie viele Regeln Sina eigentlich verstößt).
Sina hat mir als Protagonistin gut gefallen. Sie hat in ihrem Leben schon einiges mitmachen müssen und immer wieder Stöcke zwischen die Beine geschmissen bekommen. Sie macht während des Buches eine große Entwicklung durch.

Jan ist mir als männlicher Hauptcharakter nicht wirklich sympathisch geworden. Zu sprunghaft war er, zu launisch. Das liegt natürlich auch daran, dass er manisch-depressive Züge und generell einen großen Haufen Probleme in seinem Leben hat, so starb seine Frau und seine Tochter ist seitdem bei seinen Schwiegereltern. Dennoch wurde ich mit ihm nicht warm und konnte so der ganzen Liebesgeschichte zwischen Sina und ihm auch nicht so viel abgewinnen.
Lediglich der Teil des Buches, der sich um seine Liebe zu seiner kleinen Tochter drehte, konnte mich berühren, denn dort vermittelte die Autorin die Gefühle und auch die Ohnmacht, die er durch die aggressiven und hinterhältigen Machenschaften seiner Schwiegereltern fühlt, sehr glaubhaft.

Generell hat mir nicht so gut gefallen, wie schnell sich Beziehungen entwickelt haben. Zwischen Jan und Sina funkte es meiner Meinung nach viel zu schnell und auch die Freundschaft zwischen Sina und Wiebke (einem anderen Schutzengel) besteht bereits nach der zweiten Unterhaltung. Ich hätte mir hier gewünscht, dass die Autorin ihren Charakteren mehr Zeit gibt, sich überhaupt erstmal kennen zulernen.
Ein weiteres Manko für mich ist die Darstellung von Erzieherinnen (und das ist sicherlich berufsbedingt und sehr spezielle Kritik, aber ich bin nun mal Erzieherin und das ist mir schon sauer aufgestoßen). Sowohl Sina als auch ihre Freundin Paulina sind Erzieherinnen und verhalten sich, als ob sie nie eine Ausbildung genossen hätten. So muss zum Beispiel der Kinderarzt Paulina etwa sagen, dass ihr Sohn gerade seine Grenzen austestet. Sie ist Erzieherin, so was weiß sie selbst!
Außerdem baggert Paulina im Kindergarten schamlos Jan an, dessen Tochter in diesen Kindergarten geht. Ich kenne niemanden, der sich so unprofessionell verhalten würde. Ein Arzt fällt ja schließlich auch nicht über seine Patienten her.

Mein größtes Problem waren allerdings die Erotikszenen, von denen es zum Glück nicht so viele gab. Wie diese beschrieben wurden hat mich einfach nur zum Schütteln gebracht. Da ist dann von Schwertern und Kirschen die Rede... Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Autorin die Dinge einfach nicht beim Namen nennen wollte, oder sich dachte, dass diese Beschreibungen dem ganzen eine extra Note geben, jedenfalls waren diese Szenen in meinen Augen einfach nur schrecklich.


Die Idee einer Schutzengelzentrale war sehr gelungen und auch gut umgesetzt, aber leider überwiegen die Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben, so dass ich mich durch die letzten Seiten zwingen musste.







Vielen Dank an den Forever-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

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