[Rezension] Seit ich dich gefunden habe - Kat French




Autorin: Kat French
Titel: Seit ich dich gefunden habe
Originaltitel / Übersetzerin: The Piano Man Project / Andrea Härtel
Seitenanzahl: 304
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: mtb
Buch oder Netflix? Buch!




Der Frühstücksspeck verbrannt und ein Feuermelder, der einen Höllenlärm veranstaltet. Wenn das kein gelungenes Katerfrühstück ist. Honey ist genervt und dann mischt sich auch noch ihr unausstehlicher Nachbar Hal ein und beschimpft sie. Er könnte ja zumindest anbieten ihr zu helfen. Stattdessen lässt er sie einfach stehen und verschwindet wieder in seiner Wohnung. Trotzdem, irgendwie hat Honey das Gefühl, dass sich mehr hinter seiner abweisenden Art verbirgt und beschließt nicht einfach aufzugeben und sich mit ihm anzufreunden. Schließlich ist er Koch, da kann er ihr bestimmt einiges beibringen. Doch dann erkennt Honey: Hal ist Blind. Ist es vielleicht eigentlich er, der ihre Hilfe braucht?

Was für ein grandioser Mix aus Humor, Drama und einem gehörigen Schwarm Schmetterlinge im Bauch!

Honey ist orgasmuslos. Weder mit einem Mann, noch alleine hat sie jemals einen Orgasmus gehabt und nun schmieden ihren Freundinnen Tash und Nell den Plan, ihr einen Pianisten zu organisieren, der ja von Haus aus schon feinfühlige Finger hat und sie somit zu ihrem ersten Orgasmus bringen soll. Da passt dann auch der Originaltitel "The Piano Man Project" gleich viel besser.

Honey ist einfach großartig! Sie war mir sofort sympathisch mit ihrer leicht tollpatschigen und einfach nur liebenswürdigen Art. Auch Tash und Nell ihre Freundinnen passen einfach wunderbar zu ihr. Tash ist eher die Draufgängerin, die nichts anbrennen lässt, während Nell (wenigstens anfangs!) die brave Ehefrau ist, die eher ein bisschen verklemmt daher kommt. Die drei ergänzen sich ganz wunderbar und ich würde jederzeit glauben, dass alle miteinander auf echten Freundinnen der Autorin beruhen. Das gilt übrigens für alle Charaktere in diesem Buch. Alle wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen und sind durch die Bank weg authentisch. 

Besonders gut hat mir auch Honeys Arbeitsplatz gefallen, denn sie arbeitet in einem Wohlfahrtsladen, der zu einem Seniorenheim gehört. Das wäre jetzt an sich nichts besonderes, doch die Bewohner des Heims, allen voran Lucille und Mimi, die auch im Laden aushelfen, sind einfach nur großartig! Die Szenen, die Kat French in diesem Laden beschriebt sind zum Brüllen komisch, weil sämtliche Bewohner des Heims für ordentlich Trubel sorgen und gerade auch bei schlüpfrigen Themen kein Blatt vor den Mund nehmen. Da ist es dann natürlich gleich umso tragischer, dass sowohl der Laden als auch das Heim geschlossen werden sollen, was zu einer Aktion führt, bei der Plüschhandschellen und Krawatten eine große Rolle spielen und in all der Komik soviel Tragik liegt, dass ich Rotz und Wasser geheult habe.

Und jetzt habe ich tatsächlich schon drei Absätze geschrieben, ohne überhaupt auf den männlichen Protagonisten zu kommen. Und das ist schlicht und einfach nur möglich, weil dieses Buch so viel mehr zu bieten hat, als einfach nur eine Liebesgeschichte, auch wenn die es wirklich in sich hat!
Hal ist nämlich ein Kerl, dem ich gerne zwischendurch mal eine runter gehauen hätte. Er ist ein ehemaliger sehr bekannter Koch, der durch einen Unfall erblindet ist und nun in das Haus von Honey gezogen ist. Den Kontakt zu seinen Freunden hat er weitestgehend abgebrochen und hasst alles und jeden und am meisten wohl sich selbst. man merkt, wie unzufrieden er mit seinem Leben ist, wie frustriert und wie sehr die Blindheit ihm zu schaffen macht.
Durch einen Küchenunfall lernen sie sich dann zum ersten Mal kennen und schon bald entwickelt sich eine Hassliebe zwischen den Beiden. Großartige Schlagabtausche wechseln sich ab mit Gesprächen, die tieftraurig sind. Auch wenn die meisten dieser Gespräche nur durch verschlossene Türen hindurch stattfinden, so merkt man doch schnell, dass es da mächtig knistert zwischen den Beiden. Doch sobald sie sich näher kommen, tut Hal alles, um Honey wieder von sich zu stoßen.
Die Geschichte der Beiden ist von der Autorin wundervoll beschrieben worden und ich glaube nicht, dass eine Bartrasur jemals so sexy war!


Ihm war nur Schlechtes geblieben, nichts Gutes und er hatte keine Ahnung, ob noch genug von ihm übrig sein würde, um daraus einen neuen Menschen erschaffen zu können.
Seite 209 (laut E-Reader)
Wer eine wunderschöne Liebesgeschichte, eine riesen Portion Humor und großartige Charaktere sucht, dem kann ich dieses wunderbare Buch nur empfehlen!







Vielen Dank an den mtb-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

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