[Rezension] Nachtblumen - Carina Bartsch




Autor: Carina Bartsch
Titel: Nachtblumen
Originaltitel: Nachtblumen
Seitenanzahl: 544
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2017
Reihe: Einzelband
Verlag: Rowohlt (Das E-Book beim Schandtaten-Verlag)
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Auf jede Nacht folgt ein Tag
Das Leben könnte so einfach sein. Wäre es manchmal nicht so verdammt schwer. Jana schläft am liebsten unter dem Bett. Collin friert gerne. Jana wünscht sich vertraute Menschen um sich herum. Collin möchte mit anderen Leuten nichts zu tun haben. Auf Sylt begegnen sich die beiden in einem Wohnprojekt und leben für die nächsten zwei Jahre Zimmer an Zimmer. Da ist eine Mauer, die sie trennt. Und eine Tür, die sie verbindet.

Total hibbelig war ich, als ich erfuhr, wann Nachtblumen endlich erscheinen wird. Als es dann soweit war, habe ich extra gewartet es zu kaufen, bis ich genügend Zeit zum Lesen hatte. Bücher, die mich überzeugen, lese ich am Stück an einem Nachmittag. Letztendlich habe ich für dieses Buch 9 Tage gebraucht. Ich glaube, ich wollte noch nie ein Buch so mögen, wie dieses hier. Aber so viele Chancen ich Jana und Collin auch gab, mich in die Geschichte zu ziehen, es funktionierte nicht. Selten war ich am Ende eines Buches so frustriert.

Auch wenn mir anhand des Klappentextes schon klar war, dass das Buch einfach schon der Thematik wegen nicht so locker ironisch und lustig sein würde, wie die beiden vorherigen Bücher der Autorin (Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter, die ich beide abgöttisch geliebt habe), so habe ich doch während des gesamten Buches das Besondere vermisst, das mir gerade so bei den beiden Vorgängern so gefallen hat. Gerade das, was mich eine Seite nach der nächsten umblättern lässt.
Der Anfang war noch gut. Mir gefiel, dass die Geschichte langsam beginnt, dass man alle Personen kennen lernt und auch erst nach und nach erfährt, was eigentlich mit Jana los ist und so auch besser versteht, warum sie ist, wie sie ist. Doch so langsam die Geschichte beginnt, so geht sie auch weiter. Ich habe ja nichts dagegen, wenn Dinge langsam beginnen und nicht alles holterdipolter passiert, aber ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte teilweise nur vor sich hin plätschert.

Leider trifft das auch auf die Beziehung zwischen Jana und Collin zu. Jana war mir sympatisch, Collin überhaupt nicht. Was vielleicht auch daran lag, dass ich das Gefühl hatte, ihn überhaupt nicht kennen gelernt zu haben. Während der gesamten Geschichte habe ich in ihm nicht mehr als einen Nebencharakter gesehen. Von daher fand ich auch die langsam beginnende Liebesgeschichte zwischen den Beiden nicht überzeugend. Ich konnte nicht nachvollziehen, woher die Anziehung kommen soll. Wenn mich ein Buch gefangen nimmt, dann kann ich es kaum erwarten, bis sich endlich etwas zwischen den Protagonisten entwickelt, hier war es mir mehr oder weniger egal. Auch hatte ich wieder das Gefühl des Dahinplätscherns, denn viel passiert auch inhaltlich nicht zwischen ihnen. Sie treffen sich immer am gleichen Platz. Er malt, sie sitzt daneben, er redet nicht, sie beobachtet ihn. Zu viel wiederholt sich, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass sie sich (abgesehen vom körperlichen) in irgendeiner Art näher kommen. 

Gut haben mir dagegen die Nebencharaktere gefallen, allen voran Dr. Flick, die mit ihrem Schokoladenwahn sehr sympatisch war. Carina Bartsch hat es geschafft, ihr eine großartige Persönlichkeit zu geben, die einfach nur Wärme ausstrahlt. Es ist vollkommen verständlich, warum Jana sich bei ihr mehr und mehr öffnet. Die Gespräche aus den Therapiestunden waren mein Highlight des Buches.
Auch die Völkners haben mir gut gefallen. Beide sind sehr liebevoll, dabei fördernd, aber nicht fordernd.

Großartig finde ich, dass die psychischen Probleme, gerade von Jana, nicht klischeehaft behandelt wurden. Es ist ja oft so in Büchern: Mädchen mit Problemen trifft Jungen, verliebt sich und plötzlich ist jegliches Problem wie weggeblasen. Hier hat man hat das Gefühl, dass Jana eine wirklich Person sein könnte und das ist Carina Bartsch wirklich großartig gelungen. Wie sie mit diesem schwierigen Thema umgeht und dabei die Gefühle und Gedanken von Jana beschreibt, ist beeindruckend. Und gerade hier hätte ich mir auch noch mehr zu Collin gewünscht. Eine Erklärung für sein Verhalten und woher seine Probleme kommen, kommt erst zum Ende und zwischendurch ist er als Charakter so abstrakt auf eine Art, dass ich ihn einfach nicht greifen konnte.



Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, aber wir passen wohl einfach nicht zusammen. Einige Aspekte sind großartig, der Großteil aber konnte mich leider nicht überzeugen.






Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

Kommentare:

  1. Hallo Elke,
    das Buch ist schon bei mir eingezogen, nur zum Lesen bin ich bisher noch nicht gekommen. Wie du habe ich Kirschrot/Türkisgrün geliebt und vielleicht habe ich mich deshalb bisher in Zurückhaltung geübt. Deine Rezi - die dir im Übrigen gut gelungen ist - bestätigt mein Zögern ein wenig. Irgendwann, nur noch nicht jetzt. Danke für den Einblick.
    Sei mir ganz lieb gegrüßt, Hibi

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  2. Hallo Hibi :)
    Es freut mich, dass Dir die Rezension gefällt und ich hoffe, dass dir das Buch besser gefällt als mir, wenn Du Dich dazu entscheidest, es zu lesen.
    Liebe Grüße
    Elke

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