[Rezension] Normal ist anders - Katja Kulin




Autorin: Katja Kulin
Titel: Normal ist anders
Originaltitel: Normal ist anders
Seitenanzahl: 240
Erscheinungsdatum: 2. Dezember 2016
Reihe: Einzelband
Verlag: Ullstein
Buch oder Netflix? Buch!





Die Liebe geht seltsame Wege. Manche davon führen direkt durch die Klapse.

Lea kann nichts mehr schlucken. Kein Brot, keine Schokolade, kein Obst. Wenn sie ehrlich ist, will sie auch gar nichts mehr schlucken. Lea leidet unter panischer Angst vor dem Ersticken. Inzwischen ist die 26-Jährige so untergewichtig, dass sie sich entscheiden muss: Sterben oder Therapie. Sie entscheidet sich für Letzteres. In der Klinik werden aus den anfangs so skurril erscheinenden Mitpatienten bald gute Freunde, und ganz unerwartet passiert Lea auch noch das Normalste überhaupt: Sie verliebt sich. In den hochsensiblen Ben, der einen Sammelzwang hat. Er tut ihr gut, aber kann sie seine Liebe überhaupt zulassen? Und dann wird sie rückfällig ...

Bei diesem Buch hat mich definitiv das großartige Cover zuerst angesprochen. Alles, was blau ist, bekommt sowieso schon mal meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Klappentext hörte sich auch großartig an, gerade weil wir im Kindergarten mal eine Praktikantin hatten, die auch dieses Problem (wenn auch nicht so extrem ausgeprägt) hatte.

Lea, die Protagonistin, leidet an der Angst, zu ersticken, wenn sie etwas isst. Sie entscheidet sich, eine Therapie zu machen und landet in einer Klinik zusammen mit anderen Menschen, die anfangs eher befremdlich auf sie (und auch auf mich als Leserin) wirkten, sich dann aber mehr und mehr einen Weg in Leas und mein Herz geschlichen haben. Das merkt man auch toll daran, dass alle anderen vorher nur teils sehr abwertende Spitznamen von Lea bekommen haben, sie sie aber nach und nach mit ihren richtigen Namen benennt.
Lea ist anfangs schwer zu durchschauen. Man weiß nicht so genau, was in der Vergangenheit passiert, das sie nun soweit gebracht hat, dass sie keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen kann. Da wird sogar Milchreis zu einem schier unlösbarem Problem. So abstrakt diese Angst jetzt auch erst mal klingen mag, so überzeugend und nachvollziehbar hat Katja Kulin sie beschrieben.
Nach und nach wird immer mehr ihrer Geschichte enthüllt, so dass man langsam herausfindet, wie es soweit kommen konnte. Die Autorin hat dieses wirklich wunderbar beschrieben. Ich habe mit Lea mitgelitten und hatte das Bedürfnis, dass es ihr wieder besser gehen soll. Es kommt nicht oft vor, dass ich so mit einem Charakter verbunden bin, aber Lea ist mir eindeutig ans Herz gewachsen.

Doch nicht nur Lea ist bezaubernd beschrieben, sondern auch die anderen Charaktere in der Geschichte sind liebevoll und authentisch dargestellt. Jeder hat (logischerweise, wir sind ja in einer psychiatrischen Klinik) sein Päckchen zu tragen. Depressionen, Agoraphobie und Magersucht sind nur einige der Probleme, die in diesem Buch behandelt werden. Was mir dabei gut gefallen hat, ist, dass keinem ein Stempel aufgedrückt wird, nach dem Motto: "So, und hier haben wir jetzt mal die typische Magersüchtige." Jeder hat seine eigene Persönlichkeit und man merkt, dass die Autorin auch zu jedem dieser Nebencharaktere eine besondere Beziehung hat.

Der Erzählstil hat mir generell gut gefallen. Katja Kulin erzählt zwischendurch sehr trocken und lustig, ab und an hatte ich allerdings das Gefühl, dass der Humor zu gewollt war und bestimmte Stellen auf Teufel komm raus lustig sein sollten.
Auch einige Dialoge haben mir nicht so gut gefallen, weil sie zu gestelzt wirkten. So redet einfach niemand.

In diesem Moment stoppt das Universum seine Expansion, kehrt sie um und zieht sich zusammen, bis nur noch der eine Raum übrig ist, in dem ich mich befinde. Allein. Und weiter, bis es mich von allen Seiten umschließt. Dann implodiere ich.
Seite 99 (laut E-Reader)
Ein wunderbares Buch mit tollen Charakteren, die sich sofort einen Weg ins Herz suchen. Unbedingt lesenswert!







Vielen Dank an den Ullstein-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Das Copyright des Covers und des Klappentextes liegt beim Verlag.

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